Wie auch immer, lang lang ist es her, mittlerweile hat es in den vier Verbaenden etliche WM Herausforderer gegeben, die mit Sicherheit schlechter waren als Schulz zur Zeit des Foreman Kampf. Hier die Liste der zehn schlechtesten WM Herausforderer im Schwergewicht in den vier namhaften Verbaenden, WBA, WBC, IBF und WBO. Axel Schulz wird seinen Namen vergeblich suchen und wird darueber nicht traurig sein.
- Damon Reed: Herbie Hide war ein guter Boxer, schnell und mit harten Haenden, doch leider fuer einen Schwergewichtler etwas zu klein und zu leicht. Ausgewachsene Schwergewichtler von Format wischten mit ihm daher regelmaessig den Ringboden. Nachdem er den WBO Titel 1995 gegen Riddick Bowe in einer desastroesen Niederlage verloren und 1997 in einem guten Kampf gegen den schon leicht angegrauten Tony Tucker zurueckgewonnen hatte, wollte sich Hide 1998 in seiner ersten Titelverteidigung nicht gleich wieder einem echten Schwergewicht stellen. Seine Wahl fiel daher auf Damon Reed, einem Clubfighter aus Illinois ohne nennenswerten Kampfrekord, der auch am Tag des Kampfes locker das Limit im Halbschwergewicht gebracht haette. Er wirkte neben Hide - selbst kein echter Schwerer- wie eine halbe Portion. Entsprechend schnell war der Kampf nach ca. 30 Sekunden vorueber. Der kuerzeste WM Kampf aller Zeiten.
- Tim Tomashek: Was hat sich der grosse Tommy Morrison nur dabei gedacht. Mit einem beachtlichen Sieg gegen George Foreman hatte er den WBO Guertel gerade etwas aufgewertet und dann das. Eine freiwillige Titelverteidigung gegen Tim Tomashek, the Doughboy (der "teigige Junge"?), einen kaesigen, unkoordinierten Clubfighter ohne boxerische Ausbildung, der zudem mit seinen Faxen den Kampf zur Lachnummer machte. Nach vier Runden war der Spass vorbei.
- Daniel Eduardo Neto: 1989, die WBO war gerade frisch gegruendet und in den USA noch nicht wirklich akzeptiert. Ihr erster Schwergewichtsweltmeister, Francesco Damiani hatte den Titel gerade gegen den eher mittlemaessigen Jonny du Plooy gewonnen und wollte ihn nicht gleich wieder abgeben. "Wenn Du einen ungefaehrlichen Boxer mit makellosem Kampfrekord suchst, dann schau Dich in Argentinien um!", dieser Ratschlag gilt heute und galt offenbar auch schon vor 25 Jahren. Damianis Management fand Daniel Eduardo Neto, der vorher nie ausserhalb Argentiniens geboxt hatte. Es gab einen einfachen Sieg fuer Francesco in Runde zwei. Im naechsten Kampf ging es dann gegen Ray Mercer und seine Regentschaft bei der WBO war beendet.
- Owen Beck: Es war schon ein hartes Stueck Arbeit fuer die Sauerlaender ihren russischen Riesen zum Weltmeister der WBA zu machen. Knappe, teils schmeichelhafte Siege gegen John Ruiz und Larry Donald hatten das Vertrauen der Macher in ihren Boxer sinken lassen, so dass man ihm zur ersten freiwilligen Titelverteidigung nicht zuviel zumuten wollte. Einen etwas staerkeren Gegner als Owen Beck haette man ihm aber durchaus zutrauen koennen. Beck hatte weder vor noch nach dem Valuev Kampf je gegen einen namhaften Mann gewonnen und diente zuletzt als einfacher Aufbaugegner fuer Boxopa Oleg Maskaev.
- Manuel Charr: Charrs Kampfrekord liest sich eigentlich nicht schlecht: Williams, Bakhtov, Oloukun, Bidenko sind ganz gute Namen. Diese Siege sind allerdings allesamt unter reichlich mysterioesen Umstaenden zustandegekommen. Es waere schoen wenn Charr einmal gegen einen Gegner von ungefaehr der Klasse der oben genannten einen regulaeren Sieg einfahren koennte. So bleiben als beste "echte" Leistungen die Unentschieden gegen den Exilkubaner Carrion und den alten Fuchs Zack Page, sowie der zugegebenermassen couragierte Auftritt gegen Klitschko. Bei diesem Kampf wurde Charr selbst Opfer eines etwas seltsamen Abbruchs. Niemand versteht, wie Vitali Klitschko seine grosse Karriere mit einer solchen Farce beenden konnte.
- Willi Fischer: Und nochmal Herbie Hide. Auf der Suche nach einem weiteren geeigneten Gegner fuer seinen fragilen Champion, wurde Hides Manager, Frank Warren diesmal im Frankfurter Tuerstehermilieu fuendig. Willi "de Ox" Fischer war ein guter deutscher Schwergewichtler, dem wir kurzweilige Kaempfe, wie die beiden Kaempfe gegen Kim Weber oder die deutsche Version eines Ohrbeisserkampfes gegen Timo Hoffmann verdanken. Allein, in einem WM-Kampf hatte "de Ox" nichts zu suchen. TKO in Runde zwei nach drei Niederschlaegen.
- Francesco Pianeta: Knappe, hart erkaempfte Siege gegen die Oldies Frans Botha und Oliver McCall sind keine Empfehlung fuer einen WM-Kampf. Doch! meinte Wladimir Klitschko und dessen Umfeld und lud den italienischen Schalker zum Kampf. Der konnte schlecht ablehnen. Er kam und stand immerhin fuenf Runden. Dann verlor Klitschko die Lust an dem Possenspiel und machte ernst. Pianeta ist sympathisch und tapfer, indes ist seine beste Leistung als Boxprofi das Unentschieden gegen den Polen Sosnowski, der seinerseits nur knapp diese Liste verfehlt hat.
- Audley Harrison: "Maximaler finanzieller Gewinn bei minimalen Gehirnschaeden", so lautet die Maxime, zu der sich Haye auch offiziell bekennt. Kann man ihn dafuer ruegen? 2000 noch Olympiasieger bei den Amateuren, hatte Harrison als Profi bereits gegen den nordirischen Taxifahrer Martin Rogan verloren und in der Folgezeit bewiesen, dass diese Punktniederlage keine Eintagsfliege war, sondern sein Leistungsvermoegen als Profiboxer recht genau widerspiegelt. Aber Harrison war nach wie vor Olympiasieger. Das hiess fuer Haye: volle Halle und keine Gefahr fuer die grauen Zellen. Das passte perfekt. Nach anderthalb Runden war der Spuk vorbei, ohne dass Harrisons Faeustlinge auch nur einmal in die Naehe von Hayes Kopf gekommen waeren.
- Joe Hipp: Die Experten sind sich einig. Bruce Seldon war einer der schwaechsten Weltmeister aller Zeiten. Doch hat auch er tatsaechlich zweimal seinen Titel verteidigt. Da koennen die Herausforderer natuerlich nicht gut gewesen sein. Vielleicht tut man Joe Hipp ein bisschen unrecht, wenn man ihn auf diese Liste setzt. Er hat immerhin David Bey geschlagen und hatte Tommy Morrison am Rande einer Niederlage. David Bey durfte auch einmal gegen Larry Holmes um einen WM Guertel boxen. Er verdankt einem Sieg ueber den legendaeren Buster Douglas, dass er nicht an Stelle von Joe Hipp in dieser Liste auftaucht.
- Ed Mahone: Nochmals Vitali Klitschko. Waehrend seiner ersten Regentschaft bei der WBO hat er zwei Titelverteidigungen gegen die amerikanische Journeymen, Obed Sullivan und Ed Mahone, die Klaupe Kohl fuer kleines Geld nach Europa lotsen konnte. Beide hatte in einem WM Kampf nichts zu suchen. Ed Mahone war wohl der schwaechere. Er moege mir die Aufnahme in diese Liste verzeihen, kann aber beruhigt sein. Sein Name wird sicher bald gestrichen werden koennen.